DIE MUSTER DIE UNS PRÄGEN               
Ausstellung macht deutlich, wie Frauen auf Rollen festgelegt werden und ermuntert zum Aufbruch

Frauen sind halt so: sie haben das große Ganze im Blick und nehmen sich bescheiden zurück, damit es allen gut geht. Sie sind um das Wohl der anderen besorgt und deshalb mit besonderen emotionalen Antennen ausgestattet. Aber warum sind sie so? Dieser Frage ging die kleine, aber sehenswerte Ausstellung "Mustergültig" nach, die am Freitag, 23. September von der stellvertretenden Landrätin Gerlinde Kaupa im Pfarrzentrum eröffnet wurde. "Die Schau verdeutlicht das Muster, das uns tief und nachhaltig geprägt hat und nach wie vor im Leben mitmischt", sagt Gabriele Zacher, Vorsitzende der KAB Vilshofen. Gezeigt wurde aber auch, wie man diese Muster hinterfragen und verändern kann.
Großformatige Bildtafeln mit Frauen-Portraits zwischen 18 und 80 Jahren zeichnen die Entstehung der  traditio-nellen Frauenrolle
im Zeitalter der Industrialisierung nach, als immer mehr Männer außer Haus arbeiteten und die Frauen zunehmend auf Kinder und Küche beschränkt wurden. Durch die Arbeitsteilung wurden auch die Rollen und als Folge davon die  Charaktereigenschaften mustergültiger Frauen festgelegt:
Fügsam, bescheiden, gemütsvoll und dem  Herzen verpflichtet.
Im Bürgerlichen Gesetzbuch, das 1900 in Kraft trat, wurde die Zweitrangigkeit der Frau dann zementiert:
Ihr Vermögen ging bei der Eheschließung automatisch an den Mann über. Für die Kinder durfte sie zwar sorgen, doch der Wille des Vaters stand über allem. Bis in die späten 50er Jahre durfte eine Frau nicht ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten oder den Führer-schein machen. 
Alles längst überholt in Zeiten der Gleichberechtigung?
Hier legte die Ausstellung, die vor allem von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Straubing, Hedi Werner, sowie von Christine Miedaner (Super-Visorin) und Ursula Grundnig (dipl. Psychologin) konzipiert wurde, den Finger in die Wunde. Denn warum fühlen sich Frauen auch heute noch für alles und jeden zuständig? Warum geben sie sich immer noch mit geringerer Entlohnung zufrieden? Warum halten Frauen es immer noch für ihre alleinige Aufgabe, gleichzeitig Familie und Beruf zu managen?  "Hier wirken Muster nach, die wir verinnerlicht haben und die uns immer noch beeinflussen", meint Gabriele Zacher. Von Generation zu Generation werden sie als emotionale Grundausstattung weitergegeben. Dabei müssen die traditionellen Werte nicht schlecht sein, aber sie können hemmen und dazu führen, dass die eigenen Bedürfnisse hintan gestellt werden.
Die Rollenbilder sollen hinterfragt werden und in Bewegung geraten, das wünschen sich die Veranstalter der KAB.
Väter, die auch die Kunst des "Nährens" erlernen und Eltern, die sich weiter entwickeln und zusammen die Kinder erziehen, das sind nur einige der Möglichkeiten. Solidarität ist dabei ein wichtiges Schlüsselwort.

Die Mütter geben unterschwellig Botschaften an ihre Töchter weiter, wie sie sein sollen: "Sei immer bescheiden, verlang nie zuviel, dann kommst du zwar langsam, aber sicher ans Ziel", lautete ein typisch weiblicher Eintrag ins Poesie-Album der Freundin.

KAB - Ortsverband Vilshofen an der Donau