ZUKUNFT STATT ZOCKEN - WEGE ZU EINER ALTERNATIVEN WIRTSCHAFT

Vortrags- und Diskussionsabend mit Dr. Wolfgang Kessler

Unter der Schirmherrschaft von Gerlinde Kaupa, stellv. Landrätin, stand ein interessanter Vortrag der KAB Vilshofen im St. Bedahaus vom Kloster Schweiklberg.
Vorsitzende Gabriele Zacher hatte  hierzu den Wirtschaftspublizisten und Chefredakteur der Zeitschrift Publik-Forum Dr. Wolfgang Kessler eingeladen.
Er referierte zu dem Thema  „Zukunft statt Zocken - Wege zu einer alternativen Wirtschaft“.
„Eigentlich ist doch alles in Ordnung“, begann Dr. Kessler. Die Banken machen wieder Gewinne, die Konsumenten kaufen, die Wirtschaft wächst, die Steuereinnahmen sprudeln. Krise war gestern, heute ist Aufschwung. Warum soll da etwas anders werden? Brauchen wir Alternativen? Ja, meinte Kessler. Denn ein Aufschwung ist gut für die Stimmung im Lande und gibt den Beschäftigten und den Unternehmen ein Stück Sicherheit. Wer allerdings behauptet, dass die Probleme, die durch die Finanz- Wirtschafts- und Schuldenkrise offenkundig wurden, einfach durch mehr Wachstum gelöst werden, lässt sich täuschen oder will getäuscht werden. Politik und Wirtschaft handeln längst wieder nach der Logik aus dem letzten Jahrhundert: Mehr arbeiten, mehr produzieren, mehr arbeiten - weiter so und alles wird wieder gut.

Trotz guter Wirtschaftsdaten wird die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern immer tiefer. Ein Viertel der Deutschen ist vom Wohlstand abgehängt, darunter 2,6 Millionen Kinder. Zehn Prozent der reichsten Haushalte besitzen 60 Prozent des privaten Gesamtvermögens. Es gab zwar noch nie so viele Erwerbstätige wie derzeit. Ja, aber ein Drittel hat Mini- oder Midijobs, Honorarverträge, Leiharbeit oder Werksverträge. Fast jeder zweite Arbeitnehmer unter dreißig hat einen befristeten Arbeitsvertrag, so Dr. Kessler in seinen Ausführungen. Die flexiblen Arbeitsverhältnisse schaffen Industrie-Nomaden: heute hier morgen dort. Stabile Partnerschaften, ein Leben mit Kindern oder gesellschaftliches Engagement sind so nicht zu erwarten. Viele machen weiter wie bisher, obwohl alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann.

Aber - das ist der Trost: nicht alle machen so weiter, ermunterte der Wirtschaftspublizist. Ich erlebe auf meinen Reisen ständig, was Menschen bei aller Apathie noch auf die Beine stellen, welchen Mut sie noch haben. Er berichtete von  fünf Reisezielen die er besucht hatte, z. B. das Reiseziel Weiden. Die Tochtergesellschaft der Flachglas Wernberg GmbH sollte anfangs dieses Jahrtausends an einen britischen Glaskonzern verkauft werden - mit der Aussicht, dass der kaufende Konzern nur wenige Beschäftigte übernimmt. Da entschlossen sich die 650 Beschäftigten unter Führung des Betriebsrates zu einem einmaligen Schritt: Sie wollten das Unternehmen selbst kaufen. Doch sie hatten große Probleme: keine Kredite, keine Bürgschaft. Unter Einsatz von Lohnanteilen und Weihnachtsgeld erwarben sie 51 Prozent des Unternehmens. Dieser Schritt hat sich ausgezahlt. Die Beschäftigten konnten auf diese Weise ihre Arbeitsplätze retten. Und noch mehr: Sie bestimmen über ihr Unternehmen selbst und sind eindeutig solidarischer: 54 Schwerbehinderte, 86 Ausbildungsplätze.

Dr. Kessler schilderte weitere Reiseziele und Beispiele, sein Fazit lautet: „Es gibt sie also, jene Menschen, die als Verbraucher, Unternehmer, Politiker, Banker sagen: Es gibt Wege zu Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.“

Nachdem der Referent neue Wege zu einem anderen Wirtschafts- und Lebensstil aufgezeigt hatte, folgte eine lebhafte Diskussion mit den zahlreichen Besuchern.
In ihrem Schlusswort dankte die Vorsitzende Gabriele Zacher dem Referenten für seinen exzellenten Vortrag und bestätigte:
„Zukunft statt Zocken - eine nachhaltige Wirtschaft ist möglich!“
KAB - Ortsverband Vilshofen an der Donau